In einem Gastbeitrag erklärt Henning Schmidt von fairanleger, worauf es bei Nachhaltigkeit in der Geldanlage ankommt und wie wir auch mit unserem Anlageverhalten Verantwortung übernehmen können und welche Nachhaltigkeitskriterien wichtig sind.  

In diesen Tagen liest man einiges darüber, dass die Natur sich angesichts des weltweiten Lockdowns wegen der Coronoakrise erholt. Ob eine solche „Erholung“ tatsächlich realistisch ist, sei mal dahingestellt.

Schließlich wird sehr wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zukunft alles wieder anspringen.

Kommt dann business as usual? Für das Klima wäre das katastrophal. Klar ist aber: Wie schon in Folge der Finanzkrise 2008, sinken derzeit die Treibhausgasemissionen. Eine Entwicklung, die den Finger in die Wunde legt. Was für ein Wirtschaftssystem ist das, dass uns kurzfristig materiellen Wohlstand beschert und langfristig unsere Lebensgrundlagen bedroht?

Und: Wie kann ich damit als Altersvorsorgesparer und Geldanleger umgehen, wenn ich hier einer bestimmten Verantwortung gerecht werden möchte?

Grundlegend gibt es da gute Nachrichten: Jeder kann heutzutage bei der Geldanlage ökologische und sozial-ethische Aspekte umfassend berücksichtigen. Zudem ist klar, dass nachhaltige Geldanlagen mindestens die gleiche Rendite erwirtschaften wie konventionelle.

Daneben bringen sie eine Mehrrendite für Umwelt- und soziale Belange mit. Und eignen sich somit hervorragend für einen verantwortungsvollen und zukunftsträchtigen Umgang mit den eigenen Finanzen.

Glaubwürdige Anlagelösungen

Glaubwürdige Anlagelösungen lassen sich dabei mithilfe von spezialisierten Beratern deutlich von weniger klaren Lösungen unterscheiden. Spezialisierte Ratinginstitute prüfen Unternehmen und auch Staaten auf ihre Nachhaltigkeit hin und liefern mit ihren Nachhaltigkeitsratings wesentliche Grundlagen für die Entwicklung entsprechender Anlagelösungen und Altersvorsorgen.

Im Rahmen ihrer Untersuchungen von Unternehmen ziehen sie Daten von Kunden, Lieferanten, Gewerkschaften, Wettbewerbern, Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen sowie Branchenverbänden und Forschungsinstituten heran. Dazu befragen sie Unternehmen selbst, analysieren Management, Produkte und die quantitativen Kennzahlen.

Damit überprüfen diese Experten, ob Umwelt- und Sozialmaßnahmen mit dem Kerngeschäft verbunden und keine PR-getriebenen Parallel- oder Korrekturmaßnahmen sind. Wenn die Unternehmen das Geschäftsmodell in Gänze aus Nachhaltigkeitssicht überdacht und weiterentwickelt haben, sind die Chancen groß, dass das entsprechende Unternehmen ein Zielinvestment für Nachhaltigkeitsanleger ist.

Nachhaltigkeitskriterien – wichtiges Indiz für die finanzielle Solidität von Staaten

Ähnlich sieht die Analyse bei Staaten aus. Die Analyse betrachtet Menschen- und Arbeitsrechte, Umwelt- und Sozialpolitik sowie Kategorien wie Chancengleichheit von Geschlechtern und Ethnien, Bildungs- und Gesundheitssystem, aber auch Energieverbrauch und Recyclingquote, um festzustellen, in welche Staatsanleihen Nachhaltigkeitsanleger investieren können.

Ein Ratingspezialist hat Griechenland zum Beispiel 2007 auf „Rot“ gesetzt.  Aufgrund der Verletzung diverser sozial-ethischer und ökologischer Parameter, haben Experten von einer Investition in griechische Staatsanleihen abgeraten – rechtzeitig vor den schwierigen Jahren, die Griechenland dann erleben musste. Nicht zuletzt ist damit ein Nachweis geführt, dass Nachhaltigkeitskriterien ein wichtiges Indiz auch für die finanzielle Solidität von Staaten sind.

Die wesentlichen Anlageklassen – Anleihen von Staaten und Unternehmen sowie Aktien – sind also unter nachhaltigen Maßgaben abbildbar.

Auf dieser Basis können somit Banken, Kapitalanlagegesellschaften und Versicherer fertige Anlagelösungen entwickeln.

In praktisch allen Bereichen gibt es diese denn auch – in der Altersvorsorge, ob auf eigene Faust oder vom Staat mit Riesterzulage oder über den Arbeitgeber gefördert, oder im Investmentdepot. Angesichts des Zinstiefs eher unattraktiv sind und bleiben dagegen Banksparpläne, so nachhaltig sie in ihrer ethisch-ökologischen Ausrichtung auch sein mögen.

Nachhaltigkeitskriterien sind auch persönlich

Nachhaltigkeitsanleger*innen können dabei kann selbst definieren, was sie ausschließen möchten – dafür wurden Negativkriterien entwickelt. So lassen sich z.B. Atomenergie und Kohlekraft, Rüstung/Kriegswaffen, Kinderarbeit, grüne Gentechnik, Agrochemie, Nahrungsmittelspekulationen u.a. Dinge ausschließen.

Auf der anderen Seite kann ich für mich Positivkriterien für die Anlage bzw. Altersvorsorge definieren, und Anlagen in Ökoeffizienz, Stärkung von Recycling, erneuerbare Energien o.a. auswählen.

Wer seine Altersvorsorge auf Basis von Nachhaltigkeitskriterien gestalten will, hat zum einen die Möglichkeit, klassische Rentenversicherungen mit Garantien zu besparen. Zum anderen bieten sich für längere Laufzeiten und ein entsprechendes Risikoprofil an, in nachhaltige Investmentfonds zu investieren. Und das in allen sogenannten Schichten der Altersvorsorge.

Gleiches gilt auch für eine freie Vermögensanlage in Sparpläne oder Investmentfonds, die – abhängig von Risikoneigung und Anlagehorizont – z.B. um eine Investition in Wind-, Solar- und Wasserkraft ergänzt werden kann.

Geld an sich ist nicht ethisch oder ökologisch neutral. Mit jedem Geldschein, den wir ausgeben, stimmen wir wie mit einem Wahlzettel darüber ab, wie wir in Zukunft leben wollen. Neben Bio-Lebensmitteln, Ökostrom und fairer Kleidung kann heute auch die komplette Geldanlage und Altersvorsorge so gestaltet werden, dass zukünftige Generationen nicht unter heutigen Entscheidungen leiden.

Henning Schmidt
Henning Schmidt, Jahrgang 1976, ist seit 2004 als Versicherungsmakler und Finanzanlagenvermittler tätig. Seit Beginn seiner Tätigkeit ist er ein Verfechter der Nachhaltigkeit – nicht zuletzt, weil er als Küstenbewohner ein Interesse an trockenen Füßen hat.
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Henning Schmidt
Henning Schmidt, Jahrgang 1976, ist seit 2004 als Versicherungsmakler und Finanzanlagenvermittler tätig. Seit Beginn seiner Tätigkeit ist er ein Verfechter der Nachhaltigkeit – nicht zuletzt, weil er als Küstenbewohner ein Interesse an trockenen Füßen hat.

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