Was wird nicht alles zur Riester-Rente kritisiert. Sie rentiert sich nicht und wenn doch, dann nur für Personen mit vielen Kindern, oder Singles, mit hohem Einkommen. Man muss weit über 100 Jahre alt werden, damit es überhaupt Sinn macht. Viel zu teuer ist sie außerdem. Sowohl ein Sparstrumpf, als auch ein Kopfkissen sollen besser sein. Es wird Zeit, diesen Gerüchten mit Fakten zu begegnen.

Spätestens, wenn studierte Aktuare, die heute als Vorstand im Verbraucherschutz tätig sind, von „gefühlter Rendite“ sprechen, wird es Zeit, einmal wieder Fakten zur Riester-Rente sprechen zu lassen. Schauen wir uns doch einmal einen durchschnittlichen Deutschen an und simulieren mit ihm ein Worst-Case-Szenario.

Laut Destatis lag das durchschnittliche jährliche Bruttoarbeitseinkommen bei Vollzeitbeschäftigten in 2018 bei 46.560 Euro. Wir runden das auf 45.000 Euro ab. Unser Durchschnittsdeutscher soll 40 Jahre alt sein, Single, ohne Kinder, er plant mit 67 den Renteneintritt.

Berechnungsgrundlagen

Um die volle Zulagenförderung zu erhalten, muss er vier Prozent von 45.000 Euro in die Riester-Rente im Jahr einzahlen:

45.000 Euro*4 Prozent = 1.800 Euro

Hier enthalten sind jedoch bereits 175 Euro Zulagenförderung, die der Kunde nicht aus eigener Tasche zahlen muss. Sein jährlicher Eigenaufwand beträgt damit 1.625 Euro. Aus Gründen der Vereinfachung gehen wir davon aus, dass es sich um eine jährliche Zahlweise handelt und dass die Zulagen gleichzeitig mit dem Jahresbeitrag in den Vertrag fließen. Weiterhin unterstellen wir, dass der Riester-Sparer bis zum Rentenbeginn niemals mehr verdienen wird, nicht heiraten wird und keine Kinder bekommt. Insgesamt also äußerst konservative Annahmen. Der jährliche, durchschnittliche Steuervorteil beträgt rund 463 Euro:

Betrachten wir nun die kumulierten Zahlen bis zum Rentenbeginn:

Jahresbeitrag:1.800 Euro*27 = 48.600 Euro (dieser Betrag ist zum Rentenbeginn garantiert)
Prozentuelle Zulagen:175 Euro*27 = 4.725 Euro
Prozentueller Steuervorteil:463 Euro*27 = 12.501 Euro (Durchschnitt und abgerundet)
Eigenaufwand:1.162 Euro*27 = 31.374 Euro (gerundet)
Quelle: Vorteilsrechner Riester-Rente die Bayerische

Worst-Case-Szenario

Gehen wir nun davon aus, dass in diesen 27 Jahren keine Wertentwicklung stattfindet. Auf Grund der Bruttobeitragsgarantie der Riester-Rente muss der Anbieter dennoch garantieren, dass bei Rentenbeginn 48.600 Euro im Rententopf vorhanden sind. Nach Kosten! In der Ansparphase hat der Kunde kumuliert 31.374 Euro aus eigenem Geldbeutel dafür ausgegeben. Berechnen wir nun die durchschnittliche, jährliche Wertentwicklung kommen wir auf einen Wert von 3,19 Prozent.

Unterstellen wir weiterhin, dass es sich um eine fondsgebundene Rentenversicherung handelt. Aus Sicht vieler Verbraucherschützer Teufelszeug. Gestalten wir unser Szenario noch extremer. Die Märkte machen in der Ansparphase pro Jahr zum Beispiel 50 Prozent Verlust. Ändert dies etwas an den 3,19 Prozent? Nein. Stichwort: Bruttobeitragsgarantie.

Nun sollen ja Riester-Rentenversicherungen extrem teuer sein und sich schon allein deshalb für den Kunden nicht rentieren. Einverstanden. Machen wir ein völlig unrealistisches negatives Szenario. Die Kosten des Vertrages betragen 60 Prozent pro Jahr. Ändert dies etwas an den 3,19 Prozent? Nein. Stichwort: Na, Sie wissen schon.

Gehen wir davon aus, dass die garantierte Mindestrente in diesem Fall 143,05 Euro im Monat beträgt (Quelle: Angebotsberechnung die Bayerische). Wie lange müsste der Kunde nun also diese garantierte Rente – die voraussichtliche betrachten wir gar nicht, beziehen, damit sein investiertes Kapital in Höhe von 31.374 Euro zurück geflossen ist?

31.374 Euro / 143,05 = rund 219 Monate, beziehungsweise 18,25 Jahre.

Im Alter von 85 Jahren ist das eingesetzte Kapital an den Kunden also wieder zurück geflossen. Das ist deutlich unter 100 Jahren und im Worst-Case-Fall: Keine Wertentwicklung und nur bei Betrachtung der garantierten Rente!

Das ist aber vor Steuern!

Die letzten Kritiker führen nun noch an, dass dies aber vor Steuern ist. Die Riester-Rente muss bei Bezug voll nachgelagert versteuert werden. Das ist richtig. Jedoch gilt das, wenn auch mit unterschiedlichem Steueranteil, für jede legale Einnahme im Alter. Auch für Einkünfte, bei denen der Sparer in der Ansparphase keine Förderungen erhalten hat. Hinzu kommt, dass der Kunde von den 48.600 Euro Garantiekapital auch bis zu 30 Prozent förderunschädlich entnehmen könnte. Unterstellen wir einen Grenzsteuersatz von 20 Prozent im Jahr als Rentner, so bleibt folgender Entnahmebetrag netto übrig:

48.600 Euro*30 Prozent = 14.580 Euro
20 Prozent Steuer: 2.916 Euro
Nettoauszahlung: 11.664 Euro

Nutzt der Kunde diese Möglichkeit, fließt netto circa ein Drittel seines Gesamtaufwands in der Ansparphase an ihn zurück. Der Rest über die dann entsprechend geringere Rente.

Fazit

Riester-Rentenverträge haben im Durchschnitt etwas höhere Kosten als zum Beispiel Private Rentenversicherungen. Das liegt am höheren Verwaltungsaufwand für die Anbieter. Selbst im durchschnittlichen Worst-Case-Fall bietet eine Riester-Rente eine ordentliche, jährliche Wertentwicklung und das bei praktisch null Risiko. Es dürfte wohl weder einen Sparstrumpf geben, in den ein Verbraucherschützer jährliche 638 Euro Förderung (Zulage und Steuervorteil) steckt, noch ein Kopfkissen, bei dem er diesen Betrag jährlich darunter legt. Wer solche Textilien kennt, möge sich bitte beim Autor melden.

Beitragsbild: © Stocksnap / Pixabay.com

Joachim Haid Subscriber
Joachim Haid, geboren 1975, leitet die SOFTFIN UG (haftungsbeschränkt) seit ihrer Gründung. Seine Ausbildung zum Versicherungskaufmann brachte er bereits 1997 hinter sich. Joachim Haid kann auf mehr als 20 Jahre Erfahrung als Versicherungsmakler zurückgreifen. Seit 2004 ist er zudem als Trainer und Coach im Bereich der Finanzdienstleistung mit dem Workshop „Chancen des Alterseinkünftegesetzes“ tätig. Dazu gründete er „Finanztraining-Haid“. Diese Tätigkeit integrierte er 2013 in den Geschäftsbereich „SOFTFIN® Training“ bei der SOFTFIN UG (haftungsbeschränkt).
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Joachim Haid, geboren 1975, leitet die SOFTFIN UG (haftungsbeschränkt) seit ihrer Gründung. Seine Ausbildung zum Versicherungskaufmann brachte er bereits 1997 hinter sich. Joachim Haid kann auf mehr als 20 Jahre Erfahrung als Versicherungsmakler zurückgreifen. Seit 2004 ist er zudem als Trainer und Coach im Bereich der Finanzdienstleistung mit dem Workshop „Chancen des Alterseinkünftegesetzes“ tätig. Dazu gründete er „Finanztraining-Haid“. Diese Tätigkeit integrierte er 2013 in den Geschäftsbereich „SOFTFIN® Training“ bei der SOFTFIN UG (haftungsbeschränkt).

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